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Fehler Kuti / Schnitt / Saroos

Konzert
Letzten Frühling spielte die Indie-Institution The Notwist zum zweiten Mal im bis auf den letzten Steh- und Plüschplatz besetzten Palace. Sie tragen mit ihrem teils verschrobenen, aber eben immer auch sehr inklusiven und um alle Ecken gedachten Sound seit jeher dazu bei, dass sich vor ihren Bühnen immer eine bunte Schar von Indie-Kids über Electro-Nerds zu Blasmusikfreund*innen zusammenfinden. Und 2003 gründeten die beiden Notwist-Brüder Markus und Micha Acher rund um ihren Mikrokosmos ein eigenes Label: «Alien Transistor», ein Label, das genau für diese musikalische Grenzenlosigkeit steht und mit überraschenden und grossartigen Releases begeistert. Zeit also, für einen Abend gestaltet von Bands aus dem Alien-Transistor-Space, hier in St.Gallen, sozusagen dem Vorort von Weilheim. Gemeinsam mit Tobias Siegert und Markus Acher hat Fehler Kuti das Album «Schland is the Place for Me» aufgenommen – dem «singende Kulturantrophologen» ist Schwarz-Rot-Gold-Patriotismus aber fern. Julian Warner, wie sich der hinter dem Pseudonym versteckende Musiker nennt, weist mit seinem Debüt eher auf eine Post-Willkommenskultur, auf die Bildung von Koalitionen, die Vermischung von Stilen und Herkünften hin. Er reproduziert keine Fela-Kuti-Klischees oder bedient sich gewöhnlichen Afrobeat-Stereotypen, sondern bewegt sich zwischen schummrigen Orgeln, funky Bläsern und stilvollem Getrommel. Wie der «Spiegel» meint: «Ja, das könnte er sein: der Klang der Dekolonisierung.» Saroos aka Florian Zimmer, Christoph Brandner und Max Punktezahl, die sonst mit The Notwist, Driftmachine und Lali Puna unterwegs sind, haben Anfangs des Frühlings ihr neues 16-Track-Album «OLU» (Off Label Use) veröffentlicht, obwohl sie dabei eher den Begriff «Mixtape» im Sinne hatten: Wild, verwoben und lebendig, ein nahtloser Ausbruch von Ideen, impulsiv kombiniert zu einem Schnappschuss oder als akustische Snack-Box zu verstehen, fliegt ihre kraftvolle Sci-Fi-Elektronik auch live auf der Bühne in Richtung neuer Klangerlebniswolken. Schnitt. Die dritte Band des Abends bleibt ihrem Namen treu. Aber auf was für eine spektakuläre Art! All ihre Klangwerkzeuge von unterschiedlichsten Blasinstrumenten über Perkussions- und Tasteninstrumenten hin zu wilden Elektronikgeräten werden live auf Platte geschnitten und zersampelt. Noch dicker werden so ihre Klangwände, noch wilder die Improvisationen. Sampling as its best. Ein Abend voller musikalischen Umarmungen und um es mit einer Fehler-Kuti-Zeile zu sagen: «Say yes to another excess», kommen wird belohnt.
Datum
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Sa, 24. Okt. 2020, 21:30
Veranstaltungsort
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