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Virtueller Stadtrundgang St.Gallen

- Bahnhofplatz
Der Bahnhofplatz ist der historischen Piazza delle Erbe in Verona nachempfunden, die Platzgestaltung wurde zwischen 1911-1915 nach einem Projekt von Heinrich Ditscher realisiert.
Das Bahnhofsgebäude (Baujahr 1913) ist ein eindrücklicher Zeuge der damaligen Hochblüte der Stickereiindustrie und das markanteste Jugendstil-Ensemble St. Gallens. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stellte St. Gallen rund 50% des Weltbedarfs an Stickereien her, die dank dem Anschluss ans Eisenbahnnetz in alle Welt exportiert werden konnten.
Die Hauptpost gegenüber (Baujahr 1915) war das grösste Postgebäude der Schweiz.

Mitten auf dem Bahnhofplatz steht symbolisch für die Textilstadt St. Gallen der von Köbi Lämmer (1934-1989) erbaute Textilbrunnen. Über riesige Stoffbahnen aus Bronze fliesst das Wasser.

- Haus Oceanic (St. Leonhardstr. 20)
Erster eigentlicher Jugendstilbau St. Gallens, 1904-05 für den Stickereifabrikanten Carl Fenkart erbaut. Eines der schönsten in dieser Umgebung erhaltenen Geschäftshäuser im Jugendstil. Die Fassade zeigt auf Höhe des 1.OG mit Goldornamentik verzierte Flachreliefs von August Bösch. Diese stellen die Schicksalsgöttinnen (Moiren), dar, die den Lebensfaden des Mensechen spinnen (von rechts nach links!). Der Faden schafft gleichzeitig den direkten Bezug zur damals florierenden Textilindustrie.

Weiter durch Kanzleigasse rechts Richtung Vadianstrasse bis Raiffeisenplatz.

- Stadtlounge
Das Wohnzimmer unter freiem Himmel wurde im Jahr 2005 durch die Raiffeisenbank finanziert und von der bekannten Künstlerin Pipilotti Rist und dem Architekten Carlos Martinez gestaltet.
Das Kunstobjekt verwandelt das «Bleicheli» Quartier mit seinen strengen Bankengebäuden in eine für die Öffentlichkeit zugängliche rote Oase. Der rote Teppich überzieht Sitzgelegenheiten, Tische, Brunnen und lädt die Passanten zum verweilen ein. Die amorphen, darüber schwebenden Lichtkörper schaffen in der Dunkelheit wechselnde Lichtstimmungen.

- Synagoge
Von den Architekten Chiodera & Tschudy 1880-81 für die israelitische Kultusgemeinde von St. Gallen erbaut. Schönste, noch im Originalzustand erhaltene Synagoge der Schweiz. Die bunten Fliesen des in maurisch-byzantinischen Stils erbauten Gebäudes spiegeln sich im gegenüberliegenden Bankengebäude, welches die Farben durch die wiederum bunten Lüftungsabdeckungen aufnimmt (Installation v. Olivier Mosset, in USA lebender Schweizer Künstler)

Zurück zur Vadianstrasse Richtung Osten

- Textilmuseum
St.Galler Stickereien haben die Stadt weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt gemacht. Als «Schaufenster» der Stickereiindustrie, 1884-86 auf Initiative der Handelskammer wurde das Textilmuseum erbaut. Ursprünglich orange-roter Backsteinbau (Palazzo Rosso), in den 1950er Jahren mit Beton überdeckt, seit 2004 leuchtet die Fassade wieder in der Originalfarbe.
Das Innere des Textilmuseums gibt einen umfassenden Überblick über die wichtigsten stilistischen und technischen Entwicklungen der Textilkunst des 16.-19. Jahrhunderts. Für Abwechslung sorgen die interessanten und immer wieder wechselnden Sonderausstellungen

Im gleichen Gebäude befindet sich die Textilbibliothek mit einer Sammlung an Musterbüchern aus der Maschinenstickerei, Weberei und des Textildrucks sowie Modezeichnungen und -fotografien.

- Broderbrunnen (Bild 2)
Dieser Brunnen (1896 von August Bösch erbaut und weitgehend gestiftet von Kantonsrat Hans Broder) erinnert an die Versorgung der Stadt mit Bodenseewasser. Damals hatte St. Gallen beinahe die gleiche Einwohnerzahl wie heute (ca. 70'000) und der Wasserbedarf war enorm angestiegen.
Er stellt eine dreikantige, von einer Nymphengruppe gekrönte Anlage dar und ist ein Sinnbild für die Segnungen des Wassers.
Die Original-Skulpturen wurden aufgrund der Beeinträchtigung durch Luftverschmutzung und mechanische Schäden durch Bronzegusskopien ersetzt. Die Originale befinden sich im Innenhof des Historischen und Völkerkundemuseums.


- Multertor
An dieser Stelle befand sich bis zu Beginn des Stickereibooms eines der 8 Stadttore, das Multertor. Die Stadt war auch mit Mauern umgeben, die aber
Wegen des rapiden Wachstums der Stadt in der 2. Hälfte des 19. Jh. zusammen mit den Stadttoren abgebrochen wurden.

- Stickereibörse (Bild 3)
Der heutige UBS Bau war 1891 als Stickereibörse fertig gestellt worden. Hier trafen sich Fabrikanten, Sticker, Geldverleiher, Spediteure, etc.; alle, die mit der Stickerei ihr Geld verdienten.

- Haus zur Waage
Geschäftshaus aus der Jugendstilzeit. Betonbau mit reichen Verzierungen. Die 5 Menschenköpfe symbolisieren die 5 Kontinente. An der Fassade zur Neugasse der Europäer (St. Galler Kaufmann), der mit dem Rest der Welt Handel treibt: Zur Multergasse hin der Asiate, der Afrikaner, der Amerikaner (Indianer) und der Australier.

Weiter der Neugasse entlang zur Hinterlauben

Rechts in der Neugasse schöne Jugendstilgebäude mit Ornamenten an den obersten Stockwerken (11) Am kleinen Platz mit Brunnen wechselt der Stil: Fachwerkhäuser aus der Zeit der Leinenhochblüte Mitte bis Ende 16. Jh. (12)

- Haus zum Tiefen Keller
Wohnhaus des St. Galler Reformators VADIAN Joachim von Watt (1484-1551).
Er war Stadtarzt und Bürgermeister und führte die gesamte Stadtbevölkerung zum Protestantismus.
In der Fassade dominiert der zweigeschossige Steinerker von 1608, dessen untere Brüstung mit spätgotischen Fischblasenrosetten dekoriert ist.

- Haus zum goldenen Apfel
Hier stand einst das Geburtshaus Vadians. Heute schönes Barockgebäude mit Rokoko-Malereien im Innern (Büroräumlichkeiten der Firma Debrunner).

- Bärenplatz
Zentrum der mittelalterlichen Stadt. Multergasse, Spisergasse und Marktgasse kreuzen sich hier.

Richtung Norden, in der Marktgasse:

- Vadian-Denkmal
errichtet 1904 von Richard Kissling, dem Schöpfer des Telldenkmals in Altdorf.
Joachim von Watt war ursprünglich Stadtarzt und wurde ab 1521 wiederholt zum Bürgermeister gewählt. Er war Vorbereiter und Leiter der Reformation (1529) und Verfasser zahlreicher, theologischer, reformatorischer und historischer Schriften. Mit seinem Bücherlegat legte er den Grundstock zur heutigen Kantonsbibliothek Vadiana

- Spisergasse und Erker (Bild 4)
Die Spisergasse war die Wohnstrasse der reichen Leinwandhersteller bis zum 18. Jh. Statussymbole waren damals die ein-, zwei-, drei bis vierstöckigen Erker. Zwischen 1650 und 1720 erlebte St. Gallen eine regelrechte «Erker-Bau-Blüte»: Viele der heute noch bestehenden Erker entstanden damals und wurden vor allem zur Erweiterung des Wohnraumes und zu Repräsentationszwecken gebaut. Es gibt heute in den Gassen der Altstadt noch über 100 Erker, darunter viele Beispiele mit exotischen Dekorationen.
Zwei Prachtserker auch in der Kugelgasse:
- Haus zum Schwanen (17), kurz nach 1690 entstanden, zuerst vermutlich nur einstöckig. Antike Bildmotive, die alle mit dem Wasser zu tun haben.
- Haus zur Kugel (18), kurz nach 1690: Die Brüstung unten zeigt die Erdkugel zwischen Pilger und Imperator. Konsolenfiguren: in der Mitte Herakles, die Welt tragend, aussen 2 Türken, die ihm helfen müssen.
Weiterer Prachserker Spisergasse 22: Kamelerker: Um 1720 entstanden, reiches Reliefschnitzwerk im Knorpelstil. Die Engel und Fratzen an den Ecken sind uralte Schutzmotive - während die Fratze das Böse bannt, stellt der Engel den verletzlichen Ort gleichsam unter Obhut.

Durchgang zur Zeughausgasse bei Haus Nr. 28

- Schied- oder Trennmauer
1527 trat die gesamte Stadt zum reformierten Glauben über. Der Abt und die Mönche kehrten nach mehrjährigem Exil 1532 wieder ins Kloster zurück, aber die Beziehungen zwischen reformierter Stadt und katholischem Kloster waren sehr angespannt. Ein Schiedsgericht entschied, eine Trennmauer zu bauen, die 1567 fertig gestellt wurde und von der in der Zeughausgasse noch ein Teil zu sehen ist. Die Mauer bestand über 200 Jahre, und so wurden im Laufe der Jahre kleine Gebäude angebaut.

Weiter entlang der Trennmauer zum hinteren Klosterhof

- Karlstor (Bild 5)
Einzige Überreste der ehemaligen Stadtbefestigungsanlage und einziges noch erhaltenes von ursprünglich 8 Stadttoren.
Damit der Abt das Klostergebiet direkt verlassen konnte, wurde nach dem Bau der Trennmauer 1570 in südlicher Richtung das Karlstor erstellt. Karlstor deshalb, weil Kardinal Karl Borromäus, Erzbischof von Mailand, als erster offizieller Gast die Abtei durch dieses Tor beschritten haben soll.

Seine Südseite ziert ein einzigartiges Renaissance-Wappenrelief. Oben Kreuzigungsgruppe, links Wappen des Papstes Pius IV.Medici, rechts dasjenige des Reichs.
Nordöstlich ans Karlstor anschliessend wurde 1996-99 von Santiago Calatrava die Kantonale Notrufzentrale errichtet.

Durch den Durchgang in westlicher Richtung zum Klosterplatz.

- Neue Pfalz (Bild 6)
Der repräsentative Mittelbau auf der Ostseite des Klosterplatzes heisst Neue Pfalz (von palatium/Palast). Das Gebäude in spätbarockem Stil wurde in den Jahren 1767-69 erbaut.
Nach der Aufhebung des Klosters wurde die ehemalige fürstäbtliche Residenz zum Sitz der Regierung des neuen Kantons St.Gallen. Der ehemalige Thron-, Prunk- und Festsaal des Abtes im Mittelteil des Ostflügels wurde im 19. Jahrhundert zum Sitzungssaal des kantonalen Parlaments (Kantonsrat) umgestaltet. Unter dem Hofflügel und der Neuen Pfalz liegen mächtige Keller, die 1998/99 durch den spanischen Architekten Santiago Calatrava zu grosszügigen Tagungs- und Versammlungsräumen ausgebaut und auf der Ostseite mit einem spektakulären, versenkbaren Tor versehe
Routenorte
Bahnhofsplatz - Haus Oceanic - Stadtlounge - Synagoge - Textilmuseum - Broderbrunnen - Multertor - Stickereibörse - Haus zur Waage - Haus zum Tiefen Keller - Haus zum Goldenen Apfel - Bärenplatz - Vadian Denkmal - Spisergasse und Erker - Schied oder Trennmauer - Karlstor - Neue Pfalz - Zeughausflügel - Südflügel mit Bischofsredidenz - Kathedrale - Gallusplatz - Stiftsbibliothek - Bahnhofplatz
Startpunkt
St.Gallen, Bahnhof
Zeit   Länge  HöhenmeterGipfel
1.5h3km1m670 m.ü.M.
Tourenmerkmale
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